... nehmen Menschen samstags soviel Energie und Aggression, wenns ums Einkaufen geht?
Kaufland, 1. Oktober 2005, 15 Uhr - gefühlter früher Morgen, Regen: ich bekomme den letzten von etwa 397 Einkaufswagen. Nu aber mit Schwung ins Getümmel. Oh, oder auch ohne Schwung, denn vor mir muss sich ja erst die fettärschige Wachtel im Zeitlupentempo durch die Tür wälzen. Endlich drin; ich nutze den reichlichen Windschatten und ziehe an der Wachtel vorbei. Die lange Gerade zwischen Glühbirnen und Fischfond ist frei, ich gebe Gas. Aber rechts vor links ist kein Thema für die junge Familie, die aus dem DVD-Gang direkt vor meinem Wagen auftaucht. Sie eigentlich hübsch, aber auch das lässt sich durch ausreichende Massen an ungeschickt verteilter Schminke und Trainingshose geschickt verbergen. Er... naja, Machoprol. Warum stehen so viele Frauen auf sowas? Nunja, also wieder im Schneckentempo hinterher. Später Stau. Denn man muss ja seinen Wagen da stehen lassen, wos am engsten ist. Die Ware gegen Fremdkäufer abschirmen. Aber auch diese Hürde wird genommen und man kommt dann doch irgendwie auch mal an ein Regal dran. Aber nur an das mit den Instantsalaten. Instantsalate sind toll. Wenn man welche kaufen möchte. Möcht ich aber nicht, aber die anderen Regale sind ja zugeparkt von irgendwelchen Omas, die dann doch gerne mal die Produkte einzeln studieren. Und dazu ist es schon auch unablässig, die gesamte Regalfront gegen die lästige Einkaufskonkurrenz abzuschirmen. Weiterfahrt: Oma mit Blick stier auf Regal, nicht nach vorne; wer keinen Führerschein hat, braucht nicht nach vorne zu schauen. Ich rette mich und meinen leeren, Instantsalatfreien Einkaufswagen zwischen den Gemüsekram. Nunmehr gefangen zwischen aggressiven Kampfhausfrauen, die das Frischeste nur für sich wollen.
Ich habe Angst!
Befreit und Pepperoni ergattert.
Warum irgendwelche dummen Bälger dann auf den freien Flächen Einkaufswagenpirouetten üben müssen, bleibt mir ein Rätsel. Welches zu lösen der frühe Vormittag in meinem Zustand allerdings verbietet.
Dann entdecke ich etwas Leckeres und denke mir, da Maren morgen Geburtstag hat und heute Abend vorbeikommt, könnten wir auch was kochen. Also noch Abendessenszeug eingekauft.
Kasse. Immer wieder rammt einem irgendein Einkaufsfaschist seien Wagen in den Hintern, in der Annahme, wenn er mich intensiv genug Richtung Kasse schubst, sei er schneller draußen. In Ermangelung adequaten Atomgeräts ramme ich rürück, indem ich seinem Wagen, der immernoch Körperkontakt sucht, mit einem kräftigen Stoß meines Arschs in die ursprüngliche Position befördere, was den Rammfaschisten ärgert. Daraufhin lasse ich mir sehr viel Zeit beim Ausräumen meines Wagens. Sein Plan wird nicht erfolgreich sein. Mit Karte zahlen, das ärgert ihn zusätzlich!
Ich bin froh als ich unbeschadet im Regen stehe. Zeit zum wach werden. Regen hilft.
Es gibt Nudeln mit Zucchini-Pepperoni-Sahneweinsoße an würzigem Seelachsfilet. Oder so. Mal sehen, was draus wird.
Und dann hat Schwester mal wieder angerufen. Die hab ich auch schon lang nicht mehr gesehn oder gehört. Sie is auch ständig unterwegs. Hab mich aber echt gefreut, sie mal wieder zu hören.
So, jetzt muss ich aber noch schnell ein paar Differentialgleichungen lösen und dann kochen.
Und heute Abend Wladi und in Geburtstag reinfeiern. Bin ich froh, dass Montag noch frei ist!

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